Fokus: So modernisiert sich Osnabrück – Hinter den Kulissen des Rathauses

Heute um 17:00 Uhr kommen im Ratssitzungssaal die Themen auf den Tisch, die bestimmen, wie gut unsere Stadt funktioniert. Von massiver Personalnot bis hin zu digitalen Rekorden – hier ist der komplette Überblick:

Personal & Fachkräfte: Die „nackten“ Zahlen

Die Stadtverwaltung steht vor einer gewaltigen Demografie-Welle und kämpft mit Vakanzen:

  • Stellen-Lücke: Aktuell sind 14,5 % der Stellen (326 Vollzeitäquivalente) unbesetzt. Besonders bitter: Der jährliche Kennzahlenbericht wurde wegen Personalmangels vorerst eingestellt. [VO/2026/5310-01]

  • Ruhestandswelle: Bis 2036 werden 28 % der Belegschaft in den Ruhestand gehen. Im Bereich Bildung/Schule trifft es sogar 40,5 % der Mitarbeitenden. [VO/2026/5257]

  • Krankenstand: 2024 fehlten Beamte im Schnitt 21 Tage, Tarifbeschäftigte fast 29 Tage. [VO/2026/5310-01]

  • Feuerwehr-Bonus: Um attraktiv zu bleiben (auch gegenüber NRW), soll der Eigenanteil zur Heilfürsorge für Feuerwehrkräfte bis 2031 gestrichen bleiben. Das kostet die Stadt jährlich 95.000 €, sichert aber die Rekrutierung. [VO/2026/5101]

Bildung, Inklusion & Nachwuchs

  • Duales Studium Heilpädagogik: Weil in 10 Jahren viele Fachkräfte fehlen, startet die Stadt ab September 2026 ein neues duales Studium. [VO/2026/5091]

  • Kita-Umbau: In den Kitas Heiligenweg und Wüste werden Regelgruppen in Integrationsgruppen umgewandelt. Hintergrund: Im Heiligenweg zeigen schockierende 80 % der Vorschulkinder Entwicklungsverzögerungen. [VO/2026/5139, VO/2026/5095]

Digitalisierung & „Smart City“

  • Open Source First: Die Gruppe FDP/UWG beantragt, künftig bevorzugt auf freie Software zu setzen, um die explodierenden Microsoft-Lizenzkosten (bundesweit +176 % seit 2017) zu stoppen. [VO/2026/5178]

  • Prozess-Erfolge: Durch Digitalisierung wurden bereits 7.000 Arbeitsstunden und 14 Wochen Wartezeit für Bürger eingespart (z. B. 70 % digitale Geburtenanzeigen). [VO/2025/5087]

  • MINT-Förderung: Das Projekt „Smart City“ stellt neue Konzepte vor, um Schüler für Technik und IT zu begeistern – inklusive einer neuen Web-Plattform mit 16 kostenlosen Angeboten. [VO/2025/5079]

Integration & Chancengleichheit

  • Krisenherd Ausländerbehörde: Die Verwaltung gibt zu: Es herrscht massiver Personalmangel (Backoffice nur zu 40 % besetzt). Neue Erklärfilme in 5 Sprachen sollen nun wenigstens die Online-Anträge erleichtern. [VO/2026/5147-01]

  • Gleichstellungsplan 2026-2028: Frauen sind in der Kernverwaltung mit 61 % in der Mehrheit, aber in Führungspositionen (EG12-15) und bei der Feuerwehr (nur 10 %) weiter unterrepräsentiert. [VO/2026/5279]

  • 20 Jahre ILOS: Die Integrationslotsen feiern Jubiläum. Zudem gibt es eine Neuauflage des Wegweisers für Migranten in 11 Sprachen. [VO/2025/5083, VO/2026/5141]

  • Demokratie an Schulen: Ein neues Tandem-Projekt gegen Antisemitismus und Rassismus startet 2026 mit 20 Workshops an Osnabrücker Schulen. [VO/2025/5080]

  • Soziale Arbeit: Der Verein Exil e.V. erhält monatliche Abschlagszahlungen (8.000 €), um trotz vorläufiger Haushaltsführung flüssig zu bleiben. [VO/2026/5154]

  • Integrationsberatung: Im Schinkel (Tannenburgstraße) gibt es nun jeden Mittwoch eine feste Sprechstunde für Zugewanderte. [VO/2025/5081]

Update: Aus für Umweltspur auf der Iburger Straße sorgt für Eklat

Es ist die Nachricht, die die Osnabrücker Fahrrad-Community befürchtet hat: Die geplante Umweltspur auf der Iburger Straße wird nach Einschätzung der Stadtverwaltung wohl nicht kommen. Obwohl der Rat den Umbau im Juli 2025 offiziell beschlossen hatte, zieht die Verwaltung nun die Reißleine.

Die Fakten zur Entscheidung:

  • Rechtliches Veto: Die Stadtverwaltung stuft die Umweltspur als „rechtlich nicht möglich“ ein. Die Begründung: Man erwarte negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und die „Leichtigkeit des Verkehrs“ für die täglich bis zu 20.000 Fahrzeuge auf dieser Bundesstraße.

  • Das Argument der „Leichtigkeit“: In der Straßenverkehrsordnung ist verankert, dass der fließende Verkehr möglichst flüssig laufen muss. Da die Iburger Straße auch als Autobahnbedarfsumleitung dient, wiege dieses Argument besonders schwer.

Scharfe Kritik vom Radentscheid: Die Reaktion der Aktivisten ließ nicht lange auf sich warten. Daniel Doerk vom Radentscheid bezeichnet die Begründung zur Verkehrssicherheit als „schlechten Scherz“. Er verweist auf die aktuelle Situation:

  • Gefährliche Enge: Radfahrer werden zwischen fließendem Verkehr und parkenden Autos in die Mangel genommen.

  • Dooring-Gefahr: Zu schmale Schutzstreifen führen immer wieder zu schweren Unfällen durch unachtsam geöffnete Autotüren – so wie vor drei Jahren, als eine Radfahrerin dort lebensgefährlich verletzt wurde.

Wie geht es weiter? Statt der großen Lösung mit einer Umweltspur will die Verwaltung nun „Optimierungsmaßnahmen im Bestand“ prüfen. Das Problem dabei: Da Parkplätze politisch heilig sind und die Straße nicht verbreitert werden soll, bleibt der Platz für echte Verbesserungen extrem begrenzt.

Am Donnerstag (12. März) wird das Thema im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert. Es ist mit einer hitzigen Debatte zu rechnen, da der Radentscheid auf die Einhaltung der versprochenen Ziele pocht.

Friedensstadt mit Fragezeichen: Ortsschild-Aktion sorgt für Aufsehen

Wer am Dienstagmorgen nach Osnabrück hineinfuhr, rieb sich verwundert die Augen: An mehreren Ortseingängen wurden die offiziellen gelben Schilder mit einem großen, aufgeklebten Fragezeichen versehen. Die Guerilla-Aktion zielt direkt auf das Selbstverständnis der Hasestadt ab.

Hintergrund: Auslöser des Protests sind konkrete Berichte über eine Kooperation des Osnabrücker Volkswagen-Werks mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall.

  • Produktionsstart im April: Laut Branchenmedien wie der „Automobilwoche“ soll bereits im nächsten Monat die Fertigung von Fahrzeugkabinen für Rheinmetall anlaufen.

  • Militär-Aufträge: VW bemüht sich offenbar verstärkt um Aufträge für gepanzerte Bundeswehr-Fahrzeuge, um die Auslastung des Standorts zu sichern.

  • Osnabrücker VW-Mitarbeitende: Laut einem Bericht sagt ein Großteil der Osnabrücker VW-Mitarbeitenden, dass sie lieber Militärfahrzeuge bauen, als ihren Job zu verlieren.

Kritik an der „Kriegsmaschine“ Die Aktivisten, die in der Vergangenheit bereits durch Aktionen am Heger Tor oder der Skulptur „Fountain of Wishes“ aufgefallen sind, sehen darin einen unüberbrückbaren Widerspruch zur Friedensstadt-Identität. In ihrer Stellungnahme betonen sie, dass eine Kriegsmaschine auf Logistik- und Truppentransporter genauso angewiesen sei wie auf schwere Waffen.

Gefahr für die Glaubwürdigkeit? Osnabrück wirbt weltweit mit dem Erbe des Westfälischen Friedens von 1648, verleiht den Remarque-Friedenspreis und beheimatet renommierte Friedensforschungsinstitute. Die Fragezeichen auf den Schildern sollen die Bürger und die Politik nun zur Debatte zwingen: Kann eine Stadt Zentrum der Friedensforschung sein und gleichzeitig von der Rüstungsproduktion profitieren?

Die Stadtverwaltung hat sich zu den Schilder-Manipulationen noch nicht offiziell geäußert, die Aufkleber wurden jedoch an den meisten Stellen bereits wieder entfernt.

Neues Baugebiet Eversheide: Vermarktung von 20 Grundstücken startet

Gute Nachrichten für alle, die vom Eigenheim in Osnabrück träumen (und das nötige Kleingeld haben): Mitte März beginnt die Stadt mit der Vermarktung von 20 Doppelhausgrundstücken im Baugebiet Eversheide. Das Besondere: Ein Teil der Grundstücke wird vergünstigt abgegeben.

Die Eckpunkte des Angebots:

  • Grundstücksgrößen: Die Flächen im südlichen Teil des Gebiets sind zwischen 327 und 570 Quadratmeter groß.

  • Preise: Der reguläre Kaufpreis liegt bei 294,50 Euro pro Quadratmeter (unerschlossen).

  • Bezahlbarer Wohnraum: Acht der 20 Grundstücke werden mit einem Nachlass von 30 % für 206 Euro pro Quadratmeter vergeben.

So funktioniert die Vergabe: Die Stadt nutzt ein Punktesystem (Direktvergabe), um soziale und gesellschaftliche Kriterien zu gewichten. Vorteile bei der Bewerbung haben Personen, die:

  • bereits länger in Osnabrück wohnen oder hier arbeiten.

  • Kinder haben oder ein Mehrgenerationen-Haus planen.

  • bisher kein Immobilieneigentum besitzen.

  • eine Behinderung nachweisen können.

Nachhaltiges Wohnkonzept: Das neue Quartier setzt auf moderne Umweltstandards. Es gibt keine Erdgasleitungen; die Wärmeversorgung erfolgt dezentral, etwa über Luft-Wasser-Wärmepumpen. Zudem muss das Niederschlagswasser direkt auf den Grundstücken versickert werden.

Interessierte können sich auf der Plattform www.baupilot.com/osnabrueck in eine Liste eintragen. Die Bewerbungsfrist läuft bis Ende April. Für individuelle Beratungen zu Fördermöglichkeiten der NBank steht die städtische Wohnraumförderung unter [email protected] zur Verfügung.

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